Täter und Opfer-Kinder sind grausam

Ein Samstagmorgen im Jahr 1978. Es schellt. Tommy Tragl mit Vater im Schlepptau kommt die Treppe hoch- besser gesagt umgekehrt- mein Hirn rattert. Begrüßung, fragender Blick seitens meines Vaters und schon geht’s los…

„Ihr Sohn bedroht meinen Sohn und versucht Geld zu erpressen!“

Noch ein fragender Blick, allerdings mit mehr Falten auf der Stirn.

„Die Beiden haben um irgendwas gewettet und jetzt verlangt Ihr Sohn 10 D- Mark von Thomas – das geht natürlich nicht. Thomas traut sich schon gar nicht mehr in die Schule.“

Bevor hier noch mehr Scheiße verzapft wird, ergreife ich mal besser das Wort!

„Da hat der Thomas mich aber völlig falsch verstanden- natürlich ist klar, daß das mit den 10 D- Mark nur Spaß war. Er muß nicht jedes Wort so ernst nehmen. Oder hab ich dich je geschlagen oder so, Thomas?“

In Dummrumlabern war ich schon als Köttel ganz groß. Ich weiß noch, daß Tommy’s Vater mir am Ende aus der Hand fraß und der Meinung war, daß da sein Sohn maßlos übertrieben hatte. Dieser nette kleine Junge konnte doch gar nich so ein Schwein sein.

Von wegen…Stimmt, ich hatte Tommy noch nie geschlagen, Schlagen war noch nie Meins. Brauchte ich aber auch gar nicht, dafür mobbte ich ihn, wo ich nur konnte und hetzte auch einige andere Klassenkameraden gegen ihn auf. Als ich die Wette gewonnen hatte- ich weiß leider nicht mehr um was es ging- bestand ich natürlich rigoros auf den Zehner. Mir ging es nicht um’s Geld, ich wollte einfach nur, daß Tommy sich jeden Morgen in die Hose pißt.

Angefangen hatte das Ganze 1977 im 2.Schuljahr. Tommy war neu in der Klasse und- warum auch immer- ich traf mich nach ein paar Tagen nachmittags mit ihm. Ich weiß es noch wie heute! Wir wollten in einem Waldstück ne Bude bauen. Auf einmal hat Tommy Tränen in den Augen und packt sich am Arsch. Ich frage ihn was los ist.

„Ich muß nach Hause!“

„Wieso das denn?“

„Ich muß mal Häufchen!“

HÄUFCHEN? Wollte Tommy mich verarschen? Ich treff mich mit ihm und der Spacko kommt mir mit HÄUFCHEN? Kein Scheiß, aber ich regte mich mit meinen 8 Jahren so kraß über dieses Wort auf, daß Tommy ab diesem Zeitpunkt nur noch Opfer sein konnte. Daß ein kleiner Junge nicht unbedingt „Ich muß kacken“ sagt, war ja in Ordnung, aber HÄUFCHEN? Absolutes No Go! Jedenfalls für mich damals. Aber auch sonst bettelte Tommy förmlich darum gequält zu werden. Manche Menschen werden anscheinend als Punchingball geboren. Irgendwann im 9. oder 10. Schuljahr- Tommy war längst pappengeblieben und seine neuen Mitschüler nahmen ihn sich vor- meldete er sich zum Kampfsport an. Ich weiß nicht mehr genau, ob Karate oder Taekwondo- keine Ahnung, ob’s ihm geholfen hat.

Schon im 1.Schuljahr suchten wir uns den Schwächsten aus. In dem Fall DIE Schwächste, Andrea J. Wir ärgerten sie solange, bis sie sich mitten in der Klasse diesmal WIRKLICH regelmäßig in die Hose pißte. Darauf bekam sie meistens noch n Spruch von Frau K., unserer Klassenlehrerin rein, die ich damals toll fand. Heute weiß ich wie Scheiße und ungerecht diese Frau war. Jedenfalls fast 35 Jahre später erlebte ich mit Andrea J. eine von diesen unglaublichen Storys. 2010 erzählte ich meiner damaligen Freundin, daß wir dieses Mädchen damals bis in die Hose pissen gemobbt hatten und daß ich mich gerne bei ihr dafür entschuldigen würde,sie aber seit Jahren nicht mehr gesehen hätte. Am nächsten Morgen war Weihnachtsbasar an der Rudolf-Steiner-Schule in Remscheid. Es war im Nachhinein rappelvoll, aber der erste Mensch, der mir quasi nach Betreten der Schule in die Arme lief, war- richtig! Andrea J. Nachdem ich den Schock überwunden hatte, entschuldigte ich mich für alles, was wir ihr damals angetan haben. Sie meinte daraufhin, daß alles ok wäre und daß sie keinen Schaden davongetragen hätte. Ich hoffe mal, daß sie Recht hat.

Es zog sich durch die komplette Schulzeit. Auf der Realschule war es immer kraß, wenn ich mit Dietmar oder Toni zusammenhing. Ständig dissten wir irgendwelche armseligen Streberleins. Alles Typen, die mit 16 noch keine Zunge im Hals gehabt hatten und auch null Interesse daran zeigten. Die im Sommer Sandalen mit Socken trugen, weil Mama es so wollte. Die trotz allen Paukens am Wochenende um ihre Versetzung bangen mußten, weil sie alles andere als helle Leuchten waren. Dessen Opfertum man seltsamerweise oft nicht nur am Vor- , sondern auch am Nachnamen erkennen konnte- bestes Beispiel: Bernd Knächtel. Bei Bernd bestand das „Quälen“ darin, daß wir ihn über Kopf und Haar streichelten, sobald er uns über den Weg lief. Erst Toni, dann Dietmar, dann ich. Dabei noch ein „Na Bernie, geht’s gut?“, das war tatsächlich alles was wir machten, aber für ihn war es nunmal demütigend. Aber der Name alleine war Programm. Bernd Knächtel…was ist wohl aus dir geworden?

Kaum zu glauben, aber umgekehrt hatte ich auch Situationen, wo ICH wiederum das Opfer war. Weniger Mobbing-, eher “ Gewalt“- Opfer…

Die Schuljahre 6,7 und 8 verbrachten wir auf Klausen, weil in Lennep zu viele Klassen waren. Wir waren dadurch zwar drei Jahre lang die ältesten Schüler (es gab uns, eine Parallelklasse und jeweils zwei Klassen in den Jahrgängen unter uns), Problem war, daß bei uns die Hauptschule angrenzte. Und  Hauptschule Klausen Anfang der 80er war ein raues Pflaster. Eigentlich hatten sie ihren eigenen Schulhof, was uns natürlich entgegenkam. Im 6. Schuljahr zockten wir in jeder Pause Fußball mit einem Tennisball. Eines Tages kam plötzlich eine Gruppe Hauptschüler aus der 9.auf den Hof und wollten uns den Ball abnehmen. Uli Paul, alt eingesessener Klausenproll, wahrscheinlich schon zweimal klebengeblieben und ca vier Jahre älter als ich, rutscht dabei aus und legt sich auf’s Maul. Was macht der Typ? Steht auf und haut mir in die Visage. Ich war zu dem Zeitpunkt verknallt in Stefanie D. aus meiner Klasse. Nicht nur, daß es Scheiße wehtat, Stefanie D. steht zufälligerweise ein paar Meter daneben und bekommt diese Schmach voll mit. Wie ich reagiert hab? Ich hab Tränen in den Augen, wahrscheinlich ne knallrote Fresse vor lauter Scham und mache…-Nichts. Todesmutig wie ich nunmal schon immer war…

Knappe zehn Jahre später ist es Uli Paul’s homosexueller und schwer drogensüchtiger Bruder Torsten, der mir meinen ersten Heroinfix setzt. Aber das ist ne andere Geschichte…

Dann gab es noch Klein-Gabriel. Klein-Gabriel war gar nicht klein, er wurde nur so genannt, weil er einen älteren Bruder hatte, der aber komischerweise  nicht GROSS- Gabriel genannt wurde. Klein- Gabriel war auch ein paar Jahre älter als ich und berüchtigt, weil er sein halbes Leben in Erziehungsheimen und Jugendknästen verbracht hatte, was damals Ende der 70er in einem Kaff wie Lüttringhausen im Vergleich zu heute schon echt kraß war. Ähnliche Story- ich spielte jeden Tag auf dem CVJM- Bolzplatz Fußball. Damals traf man dort täglich mindestens ein Dutzend Gleichgesinnte an, Jungs, die Bock hatten zu bolzen. Auf einmal kommt Klein- Gabriel und will mitspielen. Natürlich darf er, wir wollen ja noch ein Weilchen am leben bleiben. Er spielt bei den anderen mit, wir gewinnen. Zur Strafe haut er jedem von uns voll eine rein, womit wir gut leben können, aber dann nimmt er uns noch den Ball weg, und der gehört natürlich mir. Fuck! Im Endeffekt spielt er fünf Minuten ein bißchen rum und gibt ihn mir dann tatsächlich zurück- nochmal Schwein gehabt. Denn mein Ball war damals meine große Liebe.

Es gab noch ne Handvoll ähnlicher Situationen. Auf Hackenberg herrschten Schielauge and Friends. Eine Clique, bestehend aus fünf, sechs krassen Schlägern, die auf jeder Lenneper Kirmes Massenschlägereien anzettelten. Der Anführer hatte ne besonders brutale Fresse, weil er irgendwie krass schielte. Glücklicherweise blieb ich verschont, aber einer von Schielauge’s Friends hatte n leichten Haß auf Micha, der dann eines Tages auch ziemlich schwitzte, im Endeffekt sich aber nur ne Ohrfeige abholte.

Im Lenneper Hardtpark waren Micha und ich eines Tages und spielten mal wieder Fußball. In kürzester Zeit waren wir von ner Horde Spanier umzingelt, die damals n ziemlich heftigen Ruf im Lenneper Jugendzentrum hatten. Ich hatte das Glück, daß Micha n Bayerntrikot anhatte, was den Typen überhaupt nicht gefiel. Er bekam zwar keine auf’s Maul, dafür wurde übelst heftig auf sein Trikot gerotzt…

Krasse Zeit damals. Überall von Klausen über Lüttringhausen bis nach Lennep gab es unzählige Cliquen, Jugendliche, die weder Handy noch PC kannten. Alle waren auf der Straße, manchmal wurde es in Ansätzen gefährlich, aber dann blieb doch alles im Rahmen. Man kannte sich und es war nie langweilig. Heute muß man Mitleid haben mit der jetzigen Generation. Materiell geht’s den jungen Leuten sicher besser, aber alles andere hat man ihnen genommen. Und es wird auch nicht wiederkommen. Dieses „Früher war alles besser“ sollte man ihnen nicht vorhalten- aber ich danke dem Leben, daß ich meine Kindheit in den 70ern und 80ern verbringen durfte!20160921_152304

 

Auf Krücken ins neue Jahrtausend

Oktober 99

Zu wenig gepennt! Wie immer bin ich erst nach 2 weggeknackt, ohne den Fernseher vorher auszuschalten. Eine Krankheit, die mich seit meiner Jugend verfolgt- die Glotze muß laufen! Dieses Gefühl, wenn es gleichzeitig ruhig und dunkel ist, hat mir schon als Kind zu schaffen gemacht. Vor irgendetwas habe ich anscheinend Angst- und es ist nicht der Einbrecher, der vielleicht unter dem Bett liegt. Es sind eher Fragen, die in meinem Kopf rumschwirren. Die das Leben und den Tod betreffen und auf denen mir niemand eine Antwort geben kann. Und ich mag nicht den Gedanken, daß der Tag endgültig zu Ende ist und das Nächste, das mich vom Leben erwartet ist ein klingelnder Wecker und die Gewißheit, daß ich danach acht Stunden an irgendeiner Drehbank stehen werde.

Natürlich die totale Selbstverarschung- irgendein drittklassiger 08/15 -Kackfilm, von dem ich eh kaum etwas mitbekomme, weil mir ständig die Augen zufallen, erhöht in keinster Weise meine Lebensqualität, sondern bringt mich höchstens um einen GESUNDEN Schlaf, mit dem selben Ergebnis- der schon erwähnte und verhaßte Wecker…

Wenn ich wie gestern abend dann noch ein Grämmchen Schore in petto habe, dann gönn ich mir auch nachts um 1 Uhr noch n Pitsch in die Vene- so für die Seele- ich gönn mir ja sonst nix, oder?

Keine Ahnung, den wievielten Ring ich hier gerade vordrehe, die Späne fliegen und die drei Stunden bis zum Feierabend muß ich irgendwie noch die Augen aufhalten. Der Meßschieber zeigt an, daß ich noch nicht auf Maß bin und noch einen beschissenen Millimeter abnehmen muß- anscheinend war die Platte stumpf oder was weiß ich. Ich wechsel also die Drehplatte, finde aber keinen passenden Spanbrecher- was soll’s. Ich bin zu faul jetzt in die Schleiferei zu latschen, um mir einen zu holen und nehm stattdessen den Spänehaken in die Hand. Ich setz den letzten Millimeter an und wie erwartet bricht der Span nicht, sondern es entsteht ein langer, dünner, den ich versuche mit dem Haken im Griff zu bekommen. Plötzlich wickelt sich das scheiß Ding nicht nur um den Ring, sondern in Sekundenschnelle packt der Span meinen linken Fuß und zieht mich Richtung Futter. Ich drücke auf den roten Notausschalter und die Maschine stoppt sofort.

Ich mach einen Schritt nach links und ein Schmerz fährt durch meinen ganzen Körper, wie ich es in 30 Jahren noch nie erlebt habe. Für die Diagnose brauch ich eigentlich keinen Arzt- die Achillessehne ist durch. Oder besser gesagt, die komplette Ferse. Aua!

Nachdem ich von zwei Kollegen mehr oder weniger zum Parkplatz getragen wurde, fährt mich Agi ins Lenneper Krankenhaus. Die Ambulanz ist rappelvoll und man verfrachtet mich auf einen Stuhl im Wartezimmer. Super! Ich sage Agi, daß er nicht warten soll- ich werd den Laden hier heute eh nicht mehr verlassen. Agi zweifelt an meine Selbstdiagnose, aber ich weiß, daß ich Recht habe.

Als ich zwei Stunden später dran bin, dauert es keine Minute und ich habe die Bestätigung- sofort operieren.

Der Doc bietet mir an, auf Vollnarkose zu verzichten. Stattdessen bekomm ich so’n Zeug in den Rücken gespritzt und kurze Zeit später bin ich von der Hüfte an abwärts quasi wie gelähmt. Die OP fängt an, doch nach zwei Minuten krieg ich nichts mehr mit- mit all dem Heroin und den Benzodiazepinen der letzten Wochen hab ich mich sozusagen selbst in Vollnarkose versetzt. Ich bin so kraß übermüdet, daß ich erst eine Stunde nach der OP wieder wachwerde. Der Doc kann es nicht fassen.

An meinem linken Fuß ist so was Ähnliches wie ein Eishockeystiefel angebracht, den ich jetzt drei Monate tragen muß. Fünf Tage soll ich erstmal hierbleiben. Eigentlich kommt mir das entgegen- schon seit Wochen merke ich, daß es ein Riesenfehler war zu heiraten. Seit einem Jahr versuche ich ihr dabei zu helfen sich hier zu integrieren. Meine Drogensucht läuft  heimlich ab und ich führe längst ein Doppelleben. Eher ein doppeltes Doppelleben, denn daß es falsch war sie nach Deutschland zu holen, behalte ich für mich. Ich schäme mich zu sehr dafür, als daß ich zugeben würde, daß dieser Versuch ein scheinbar „normales“ Leben zu führen, längst kläglich gescheitert ist.

So, ich hab alles geregelt. Von den Schwestern bekomm ich täglich ne fette Ration Polamidon. Toni hat mir Schore vorbeigebracht, Hassi Spritzen und Asco und als kleines Present n kleinen Beutel mit Grass. Ich versuch heute noch meine Finger von allem zu lassen (außer Pola natürlich), ich hab noch krasse Schmerzen und es wäre wohl nicht so gut, wenn ich auf die Ansage der Ärzte scheißen – und mich aus dem Bett kämpfen würde.

Vorm Pennen gibt mir die Schwester ne Rohypnol, die ich aber nicht nehme, sondern weglege. Irgendwann nachts um drei werde ich wach, klingel nach der Schwester, erzähl ihr, daß ich noch keine Sekunde gepennt hätte und sack mir noch ne Rohypi ein.

Am nächsten Tag werde ich in einen Rollstuhl gesetzt und bekomme das Gefährt erklärt. Von da an bin ich bis zu meiner Entlassung vier Tage später in einem dauerbreiten Zustand…

Abgesehen von kleinen Zwischenfällen, genieß ich die Zeit hier. Einmal bin ich so breit, daß ich mit dem Rolli volles Pfund gegen ne Scheibe heize- eigentlich wollte ich durch die Tür, aber auf illegalen (plus legalen) Substanzen sollte man nicht nur das Autofahren lassen…

Ein anderes Mal bekomm ich Besuch von nem Kollegen. Kurz vorher hab ich mir die Rohypis gefressen und bin eigentlich durchgehend am lallen. Naja, bestätigt wahrscheinlich nur das Bild, das er von mir hat. Ich weiß eh nicht, was er hier will, keine Ahnung, wann er auf Arbeit zuletzt mit mir gesprochen hat. Ich vermute, daß er irgendwie Pluspunkte bei meinem Pa, dem Betriebsrat, sammeln will. Aber vielleicht tu ich ihm auch Unrecht.

Als ich im Taxi sitze, das mich vom Krankenhaus nach Hause fährt, eröffnen sich mir zwei Möglichkeiten: entweder ich nutze die Wochen, in denen ich nicht arbeiten kann, um mein Leben endlich auf die Kette zu kriegen- oder ich erlebe den Totalabsturz.

Nachdem ich auf den scheiß Krücken die Treppen hochgekraxelt bin und endlich in der Bude sitze, hol ich als Erstes den Bubble aus der Tasche- ich hab tatsächlich ein halbes Gramm nach Hause gerettet. Ich denke „Scheiß drauf“ und vertage meine Entscheidung auf morgen…

 

 

 

 

Solar Music

Jeder, der auf Musik steht hat wohl im Laufe seines Lebens mehrere Lieblingsbands und mehrere Lieblingssongs. Abgesehen von Schlager, habe ich mir in den letzten 40 Jahren fast jede Musikrichtung gerne angehört. Ich war zum Beispiel Fan der Neuen Deutschen Welle, wer Anfang der 80er seine Jugend verbracht hat, der ist für alle Zeiten mit diesem Genre verbunden. Egal ob Peter Schilling’s „Major Tom“, Nena’s „Nur geträumt“ oder Joachim Witt’s „Goldener Reiter“, wenn irgendwo ein Stück aus dieser Zeit gespielt wird, erwische ich mich mit einer Gänsehaut, auch verbunden mit der Erinnerung an glückliche Zeiten und dem Gefühl von damals, daß einem die ganze Welt offen steht. Einige deutsche Bands, die damals mit der NDW bekannt wurden, hatten viel mehr drauf als ein One-Hit-Wonder. Von Bap oder Extrabreit konnte man sich die Scheiben vom ersten bis zum letzten Stück anhören. „Hurra, hurra, die Schule brennt“ war eigentlich das Nervigste, was Extrabreit damals veröffentlichte. Der Rest war gute Rockmusik mit guten Texten. Und mein Favorit ist und bleibt Rockmusik in jeder Art, von Prog bis Hard.

Mit 10 Jahren besaß ich alle Scheiben von Kiss, allerdings sprachen mich auch ihre Masken in dem Alter total an. Karneval lief ich als Paul Stanley rum, der Typ mit dem Stern um’s Auge. Aber ich besaß auch Scheiben von Scorpions oder AC/DC. Back in Black ist für mich auch 36 Jahre später ne absolute Kultscheibe, nicht zufällig nach „Thriller“ von Michael Jackson (die ich mir übrigens kurz nach ihrer Veröffentlichung auch zulegte, schon allein wegen „Billie Jean“) das meistverkaufte Album aller Zeiten- vor den Beatles, den Stones oder Abba! Obwohl ich nur noch selten Musik höre und auf Konzerten gehe, diese Scheibe ist der Grund, warum ich mir einmal im Jahr ein Konzert von Barock reinzieh. Barock ist ne AC/DC- Coverband und absolut geil, weil sie ihr Handwerk beherrschen, und bei „Hell’s Bells“ oder „Shoot to Thrill“ gehe ich ab, wie damals als 11jähriges Zäpfchen.

Dann kam die Marillion-Zeit. Durch Krawitzki lernte ich ihre Musik kennen und lieben. Beeinflußt von Genesis, Pink Floyd und Barclay James Harvest, entstanden Stücke, die bis heute mein Herz erreichen.

November 84 mit Krawitzki und Frank W. in der Essener Grugahalle-Marillion live. Bis heute eines der drei besten Konzerte, auf denen ich war. Und ich war auf einigen Konzerten. Ohne den Hintergrund, daß ich bis dahin noch nie auf einem Konzert gewesen war und wir Marillion sieben Tage die Woche hörten, vielleicht sogar vom Feeling, das wir hatten, das beste Konzert von allen.

Aber wenn ich ein Stück nennen müßte, daß sich mir am Krassesten für alle Zeiten in mein Hirn eingebrannt hat, dann ist das „Solar Music“ von Grobschnitt. Hat wohl damit zutun, daß ich dieses Scheibe (Solar Music ist ein Stück von ca 50 Minuten), ähnlich wie die erste Scheibe von Supertramp, rauf und runter hörte, als ich meine LSD- Phase hatte. Leider fehlen mir im wahrsten Sinne die Worte, um meine Gefühle auf LSD zu beschreiben, aber Solar Music brachte mich jedes Mal, wenn es lief, in einen unfaßbaren emotionalen Zustand- von Freude über Schmerz bis hin zu einem extremen Gefühl der Sehnsucht. Einfach unbeschreiblich.

Im Windschatten der NDW brachte Grobschnitt damals das Stück „Wir wollen leben“ raus, das nicht nur in der Schlagerrallye des WDR 1982 den ersten Platz der Jahreswertung belegte, sondern zu einer Hymne  für Friedensaktivisten avancierte. Daß diese Band seit Anfang der 70er der weltberühmten deutschen Krautrockfraktion angehörte, erfuhr ich erst Anfang der 90er, als ich bei Tim zum ersten Mal Solar Music hörte.

Am 24.01.09 spielten Grobschnitt ein Comeback- Konzert in ihrer Heimat. Ich fuhr zusammen mit Marki Mark, Dietmar, Tim und seinem Kumpel Markus nach Hagen. Zufällig identisch die selbe Besetzung, mit der wir 13 Jahre zuvor ein Wochenende in Berlin verbrachten, um Pearl Jam live zu sehen (https://adahmblog.wordpress.com /Berliner Skinheads und Pearl Jam zum Dessert). Schon komisch, weil ich privat höchstens mit Dietmar hin und wieder und mit Marki Mark sehr selten etwas zutun hatte. Solar Music war mittlerweile überarbeitet und heißt heute Sonnentanz. Es war geil! Kurz danach erfuhr ich, daß der Bassist von Grobschnitt Milla Kapolke Lehrer in Remscheid an der Waldorfschule ist. Ich war damals mit Susanne zusammen, die ihre Zwillinge dort angemeldet hatte. Am Tag der offenen Tür wechselte ich ein paar unbedeutende Sätze mit dem Grobschnittbassisten. Er ist erst 79 zur Band gestoßen, Solar Music ist aber Anfang der 70er entstanden, trotzdem war es für mich auch mit Anfang 40 etwas Besonderes. Kapolke ist ein völlig unscheinbarer Typ und natürlich wußte der Mann nicht, was mir Solar Music bedeutet.

2010 und 2011 spielten Grobschnitt in meiner Geburtsstadt Hückeswagen jeweils drei Stunden in einer Turnhalle. Zum 40jährigen Bandbestehen spielten sie Solar Music  mehr oder weniger in ihrer ursprünglichen Version (das Stück pendelt seit eh und je in einer Länge zwischen 33 und 55 Minuten und hört sich JEDES MAL anders an. Natürlich ist mir die Version der gleichnamigen LP am geläufigsten). Ich überlegte vorher, ob ich mir zur Feier des Tages und aus nostalgischen Gründen ein paar Psilos fressen sollte, ließ es dann aber doch bleiben. Die Uhr läßt sich einfach nicht zurückdrehen.

Obwohl, manchmal gelingt es doch. Vor zwei Monaten hatten mir Katrin und ihre Kinder eine kleine aber feine Anlage geschenkt, nachdem ich jahrelang Musik nur über meinen Fernseher hören konnte. Wie gesagt, heute höre ich nur noch selten Musik im Vergleich zu früher. Jedenfalls hatte ich gestern Bock.

Über YouTube zieh ich mir „Fade to Black“ rein, für mich eines der geilsten Metallicastücke. Ewig nicht gehört- Gänsehaut! Danach ist mir nach „Cortez the Killer“ von Neil Young, auch schon Jahre her. Nach den ersten zehn hammergeilen Sekunden streikt auf einmal mein WLAN. Ich bin schon kurz vorm Ausrasten, als mein Blick auf eine gebrannte Diskette fällt, die auf einer der Boxen liegt- mit der Aufschrift „Solar Music“. Anstatt das WLAN zu resetten, lege ich sie in das CD- Fach und drücke auf Start…

Ein Tag im Sommer 91. Die Sonne knallt. Ich sitze auf dem Beifahrersitz eines BMW- Cabrio’s, am Steuer sitzt Toni. Wir sind unterwegs Richtung Bevertalsperre. Als ich im Rückspiegel schaue, sehe ich eine Fratze, mittendrin zwei schwimmende schwarze Löcher. Ich bin fasziniert von dem Anblick und mir gefällt sogar was ich seh. Die LSD- Papers, heute waren es Drachen, wirken schon nach wenigen Minuten, egal wohin ich schaue, alles ist in Bewegung. Ich brauch Toni gar nicht fragen, seine schwarzen Löcher zeigen mir, daß er sich auch schon mitten im Trip befindet. Aber er lächelt und ich weiß, daß es ihm genauso gut geht wie mir. Aus den Boxen liefern sich zwei E-Gitarren eine Schlacht mit dem Bass und dem Keyboard, alles unter dem Sound des Schlagzeugspiels. Es läuft Solar Music UND DIE WELT GEHÖRT UNS !20160907_231906.jpg

 

Schachmatt und das Ende der Knastzeit

21. Februar 1976

Seit Tagen freu ich mich wie Hulle. Pa fährt heute mit Ela und mir nach Kölle zum FC. Sie spielen zwar nur gegen die Krampen von Karlsruhe, aber was soll’s- so kann ich mir wenigsten sicher sein, daß wir heute einen Sieg erleben.

Kerstin kommt vorbei, um mich zum Spielen abzuholen. Sind ja noch ein paar Stunden bis wir losfahren. Kerstin ist meine Nachbarin und immerhin schon heiße 8 Jahre alt. Daß sie sich noch mit mir 6jährigen abgibt, ist echt cool!

Aus einiger Entfernung kommt von links ein Auto angefahren. Kerstin überquert die Lindenallee, ich warte lieber bis der Wagen vorbei ist. Jetzt nochmal von vorne- nach links gucken, nach rechts und vorsichtshalber nochmal nach links- so hat es mir Ma beigebracht. Kerstin winkt schon ungeduldig…

Ich liege mitten auf der Straße. Das Auto hat mich erwischt und irgendetwas stimmt nicht. Ich heule- nicht vor Schmerzen und der Schock wird es auch nicht sein, nein, mir wird bewußt, daß ich heute wohl nicht zum FC fahren werde. Scheiße, tagelang drauf gefreut!

Der Rettungswagen bringt mich ins Lenneper Krankenhaus, das ich erst in zwölf Wochen und zwei Tagen wieder verlassen werde. Der Arzt meint ich hätte einen sogenannten Oberschenkelhalsbruch. Am 17.Mai holt mich Pa zu meiner Überraschung in einem roten Ford Taunus ab- er hat in der Zwischenzeit tatsächlich den Lappen gemacht.

Im Nebenzimmer liegt Klaus. Einige Jahre älter als ich, hat er seinen Blinddarm entfernt bekommen. Klaus bringt mir Schachspielen bei. Zumindest die Regeln, denn spielen kann man das nicht nennen, was ich da veranstalte. Ich verliere jedenfalls jedes Spiel.

Der FC verliert gegen die Karlsruher Luschen übrigens mit 1:3. Es hatte also einen Sinn, daß ich so blind gegen ein Auto gelaufen bin!

Danach habe ich beim Schachspielen noch zwei Gegner. Zum einen Ela, der ich die Regeln beibringe und gegen die ich danach auch jedes Spiel verliere. Und Opa Hans. Schachspielen gegen Opa Hans sieht Folgendermaßen aus: Ich mach einen Zug. 10 Minuten vergehen, in denen Opa Hans zwei Camel raucht, ne Pulle Bier und n Kurzen säuft. Danach fragt er mich allen Ernstes wer denn überhaupt dran ist. Das Ganze wiederholt sich ein paarmal und nach einer Stunde und ca sechs Zügen ist Opa Hans leicht betrunken und ich bin so dermaßen Schachmatt. Auf seinen vernichtenden Sieg gönnt er sich noch n Schnäpschen. Keine Ahnung wie er das jedes Mal schafft, aber Spaß haben fühlt sich dann doch definitiv anders an.

Danach hänge ich meine sieglose Schachkarriere zweieinhalb Jahrzehnte an den Nagel, bis eines Tages Sajo bei mir abhängt. Sajo hat gerade eine Langzeittherapie hinter sich, in denen er anscheinend öfters erfolgreich gegen andere Drogis die ein oder andere Partie gewonnen hat. Jetzt sucht er wohl ein Opfer für den normalen Schachalltag. Ich versuche ihm klarzumachen, daß ich Schach total Kacke finde, aber er bettelt mich solange an, bis ich nachgebe und mich drauf einlasse.

Nicht nur daß ich Sajo langmache, zwischendurch hab ich das Gefühl, als würde das Brett durch die Gedanken und Strategien, die durch sämtliche Synapsen unserer drogenverseuchten Hirne fließen, förmlich in Flammen stehen. Nach sechs Stunden steht es 3:1 für mich, ich bin so platt, als hätte ich n Marathon hingelegt, aber es fühlt sich richtig gut an.

Jetzt mit Anfang 30 erkenne ich, daß Schach der totale Hammer ist. Jedes Spiel ist anders, selbst nach tausend Partien erlebt man Spielsituationen, die völlig neu sind. Ich war damals einfach noch zu jung um das Spiel zu verstehen. Garri Kasparow oder Bobby Fischer hatten im Alter von 5 Jahren wahrscheinlich schon groß aufgetrumpft, meine Gehirnzellen haben leider nicht dieses Potential. Das Gehirn wird jedenfalls trainiert und für lange Zeit ist Schach das Einzige, das mich von meiner kaputten Ehe oder meinen Drogenproblemen ablenkt und runterbringt. Wenn ich spiele, fühlt sich das so an, als wäre ich in einem anderen Film- nichts kann mich davon ablenken.

Am Geilsten ist es, wenn der Gegner ungefähr auf dem selben Niveau spielt, vielleicht ein bißchen schlechter, denn wie in jedem anderen Sport bzw Spiel macht es noch mehr Spaß, wenn man gewinnt. Micha und Sajo sind optimale Gegner, vor allem Micha bietet mir oft Gegenwehr und manche Partie dauert bis zu drei Stunden.

2003 melden Sajo und ich uns bei der Remscheider Schachmeisterschaft an. Wir sind die Einzigen, die nicht im Verein spielen. Und der besteht aus einem Drittel aus Rentnern, die seit 50 Jahren regelmäßig Schach spielen und zu zwei Dritteln aus echten Nerds, die am Brett supergut sind, dafür aber noch nie ne Zunge im Hals hatten. Von 18 Teilnehmern wird Sajo 18. Ich werde mit zwei Siegen, zwei Remis und vier Niederlagen 14.- und bin stolz wie Oskar!

Leider haben Sajo und ich irgendwann kaum noch Kontakt und auch Micha hat immer seltener Zeit. Es vergehen wieder Jahre, in denen ich so gut wie gar nicht spiele.

September bis Dezember 2011

Wuppertal. Erst habe ich Hemmungen vor den anderen Knackis auf dem riesigen Schachfeld in der Freistunde zu spielen. Aber schon bald sind die 60 Minuten der Höhepunkt des Tages. Anlaß ist ein Typ, der rumprahlt, was er doch für ein Superhirn hat, nachdem er gegen irgendeinen Anfänger ne Partie gewinnt und ständig reinquatscht und es besser weiß, wenn andere sich auf dem Schachfeld duellieren. Er nimmt meine Herausforderung an, er hält mich für ne Lusche.

Bei meinem ersten Sieg war er abgelenkt. Beim Zweiten war er aus irgendeinem Grund unkonzentriert. Beim Dritten hatte ich Glück, beim Vierten er Pech. Das geht so, bis ich ihn achtmal nacheinander abgezogen habe. Ich laß ihn quatschen, schweige und bin cool, innerlich geht mir jedes Mal einer ab. Dann spiele ich einmal richtig schwach und verliere, worauf er mir zu verstehen gibt, daß er mein Spiel jetzt durchschaut und meine Strategie geknackt hätte. Was für ein dummer Penner. Das passiert mir nicht nochmal und nachdem ich ihn ein weiteres Dutzend mal abziehe und er allen erzählt ich wäre ein echtes Genie, hab ich die Schnauze voll. Ich sage ihm, daß ich höchstens ein durchschnittlicher Spieler bin, Problem wäre alleine, daß er leider kein Schach spielen könne, das würde sich auch nicht ändern, wenn ich ihn noch weitere zwanzig Klatschen geben würde. Danach will er gegen mich nicht mehr spielen.

Zurück in Remscheid. Ich hol mir bei dem Schließer den Schlüssel von dem Kasten, wo die Figuren verstaut sind. Als ich die Figuren aufbaue, brauch ich mir nur die Gesichter anschauen, die sich langsam aber sicher um das Feld versammeln. Schachfans findest du überall. Ich hab in den letzten Wochen viel gespielt und bleibe lange Zeit unbesiegt. Auch hier gilt die Regel, diejenigen, die das Maul am weitesten aufreißen, sind die größten Spackos auf dem Schachfeld. Irgendwann quatscht mich ein älterer Typ an, ob ich abends Bock hätte bei ihm auf Zelle Umschluß zu machen. Er ist mir sofort sympathisch. Umschluß bedeutet, daß man von 18 bis 21 Uhr zu anderen Knackis auf Zelle darf. Drei Stunden des Tages, an denen man die Langeweile erfolgreich bekämpfen kann.

Ernst ist 54 Jahre alt und hat die Hälfte seiner achtjährigen Haftzeit rum. Er hat Grass und Shit im großen Stil vertickt. Groß bedeutet in seinem Fall, daß er mehrere Millionen gemacht hat. Das erzählt er mir natürlich nicht sofort, sondern erst, nachdem wir uns angefreundet haben und er mir vertraut. Danach zeigt er mir Fotos von seiner Villa, seiner Yacht und seinem 10000€ teuren Schachbrett. Irgendwann ist sein Daumen so kaputt, daß er sich eine Geldzählmaschine zulegt. Dann ist er der Meinung, daß es Zeit ist aufzuhören. Seine Tochter bittet ihn seine Geschäfte übernehmen zu können. Er hat große Bedenken- seine Tochter schwätzt gerne und viel, aber er kann ihr die Bitte nicht ausschlagen. Er trichtert ihr ein, an welche Regeln sie sich unbedingt halten soll. Die Wichtigste: nicht am Telefon rumlabern. Zwei Wochen später tritt ein SEK seine Tür ein, alles, was die Bullen wissen wollten, hat seine Tochter am Telefon erzählt. Erst bekommt er 12 Jahre Haftzeit, nach einer Zahlung von mehreren Hunderttausend € wird sie auf 8 Jahre reduziert. Aber er  meint, daß noch genug Kohle da wäre, wenn er in vier Jahren rauskommt…

Ernst ist nicht allein auf Zelle. Sein Spannmann Bernd hatte letzte Woche versucht sich umzubringen und darf jetzt erstmal nicht alleine sein. Grund war, daß seine Freundin, die er über eine Kontaktanzeige kennengelernt hatte, mit ihm Schluß gemacht hat, weil sie nicht solange warten könne. Ich frage Bernd, der etwas jünger ist als ich, was denn in seinem Fall lange wäre. Er antwortet, daß man das bei LLern nicht so genau vorhersagen könnte.

„Was heißt denn LL?“

„Na, lebenslänglich natürlich.“

„Wie- was hast du denn gemacht?“

„Kannst du dir doch denken. LL gibt’s eigentlich nur bei Mord.“

Ich schlucke. „Wen hast du denn umgebracht?“

„Meine Ex hat mich mit meinem besten Kumpel betrogen. Danach haben sie mich um mein gesamtes Vermögen gebracht. Da bin ich durchgedreht.“

Ich frage nicht weiter, ob er seine Ex, den Kumpel oder beide plattgemacht hat oder wie. Ich schätze aber, daß er es nicht spontan tat, sondern daß er es plante- sonst wäre er kein LLer…

Die Jungs haben sich top eingerichtet, wie alle, die nicht wie ich ein paar Monate, sondern zig Jahre abreißen müssen. Anlage, Flachbildschirm, Blue- Ray, unzählige CDs und Filme. Ab jetzt verbringe ich jeden Umschluß bei dem Großdealer und dem Mörder. Und verstehe mich gut mit beiden, in erster Linie aber mit Ernst. Ich bin froh, daß es nicht mehr so langweilig ist.

Am Brett hab ich mit Ernst meinen Meister gefunden, am Ende steht es 20:8 für ihn. Aber daß ich ihn achtmal schlagen kann, ist ne starke Leistung!

Weihnachten 2013

Katrin schenkt mir ein hammergeiles Schachbrett, das Gleiche, das Ernst im Knast hatte- schön groß und aus Holz. Problem ist nur, daß ich keinen Spielpartner habe.

Juli 2016

Katrin meint, im Alleecenter wäre Schachwoche und daß da jeder der Bock hätte, spielen könnte. Ich fahre irgendwann nachmittags hin und schaue zwei Rentnern beim Spielen zu. Sie sind gut. Als sie fertig sind, fragt mich der Sieger, ob ich Lust auf ne Partie hätte. Nach 10 Minuten verliere ich kläglich. Er gibt mir ne Revanche. Das zweite Spiel ist ausgeglichen. Nach einer Stunde sind alle Schwerfiguren vom Brett. Ich breche mit einem Bauern durch, hol mir meine Dame zurück und gewinne. Der Alte und ich reichen uns die Hand. Und ich denke so für mich, daß doch noch Hoffnung besteht…20160904_222106.jpg