Alle Jahre wieder

88 Tacken für FC-BVB ! Das wären bei Snickboy damals vier Gramm Braunes gewesen. Ich erwische mich immer noch beim Umrechnen, dafür hat das ganze Drama zu viele Jahre angedauert. Vielleicht sogar drei Gramm Weißes, allerdings kein Kolumbianisches…Ich bin überrascht, damals dachte ich hin und wieder (allerdings nie länger als ein Sekundenbruchteil), soviel Kohle für ein paar Stunden Fun. Daß ich mal soviel Geld für 90 Minuten Fußball ausgeben würde, hätte ich damals nicht unbedingt gedacht. Obwohl- es ist ist ja nicht nur die Zeit zwischen 15.30 und 17.15 (minus 15 min Halbzeit). Um 13.30 holt mich Mirsad ab und die halbe Stunde In Flames und Breaking Benjamin bis Kölle, nichtmal besonders laut, sind schonmal lohnenswert. Es ist geiles Wetter und spätestens nachdem Mirsad in Ehrenfeld geparkt hat, um von da Richtung Müngersdorf zu latschen, frage ich mich nach ein paar Metern, warum ich meine fette Juppe nicht im Auto gelassen habe. Die Suppe lüppt mir nicht nur meine Fresse runter, nein, alles klebt an mir und es kommt mir sehr entgegen, daß Mirsad ganz dringend pissen muß. Nachdem er sich im Mäckes erleichtert hat, während ich ihm ne Cola Zero und mir n göttlichen Erdbeershake bestellt habe, gegen den widerliches Geschmack , den ich seit ner gewissen Zeit durch die schon zig gesmoketen Kippen verspüre, suche ich nun den Lokus auf, um mir mit ner halben Rolle Klopapier den Schweiß vom Körper abzuwischen…

Im Stadion. Mirsad hatte es wirklich geschafft Karten zu besorgen. Wir hatten uns drauf geeinigt, daß wir nicht mehr als n Hunni ausgeben. Nachdem er im Netz wochenlang die Erfahrung machte, daß unzählige Idioten sogar das Doppelte zahlen (ab 89 € darf man als Idiot bezeichnet werden), hatte es bis letzten Montag gedauert, bis er endlich dieses „Schnäppchen“, zwei Karten für 176 Eus, erwerben konnte. Kleiner Nachteil (klein ist NICHT ironisch gemeint) – wir sitzen im BVB-Block. Die Dortmunder machen zwar geile Stimmung, aber ming Hätz schlät für de FC Kölle- seit 40 Jahren. Großer Nachteil (nur ein BISSCHEN ironisch gemeint)- unser Platz ist in Reihe 29, drei Reihen unterm Dach. Nachdem wir über die Außentreppen den Oberrang erreicht haben, gilt es nun unzählige und vor allem kraß steile Stufen zu überwinden. Mirsad hat längst unsere Plätze erreicht, während ich sozusagen zweimal Rast mache- in Reihe 12 und in Reihe 23 muß ich n Zwischenstop einlegen. Nicht nur daß ich fast abkacke und schon wieder am ölen bin wie Sau, die obligatorische Bratwurst/Cola, die eigentlich bei jedem Stadionbesuch in der Halbzeit Pflicht ist, kann ich mir sowas von Klemmen ! Bevor ich die ganzen Stufen wieder runter- und vor allem danach wieder hochsteige, verzichte ich lieber und freu mich dafür noch n Tacken mehr auf’s Abendessen beim Türken in Mülheim.

Mirsad empfängt mich mit einem Grinsen. Die 14 Jahre Altersunterschied zwischen uns sind wohl nicht der einzige Grund, warum er um einiges fitter ist als ich. Meine Plauze, meine Lebensweise, machen mich gefühlt zu einem alten Mann. Daß der BVB erst in der 89. das 1:1 macht, sorgt bei mir nicht gerade für gute Laune, gleichzeitig finde ich es aber auch ok, weil Mirsad ja nunmal ein Borusse ist.

Danach treffen wir uns mit den anderen Jungs vom Nebenjob in Mülheim in einem türkischen Restaurant, wo wir schon letztes Jahr gespachtelt hatten. Der Laden ist mal wieder rappelvoll und die Bedienung läßt sich Zeit ohne Ende. Mittlerweile hab ich so’n Kohldampf, daß ich n halbes Schwein fressen könnte! Ups, meine natürlich n Lamm, kein Schwein, dafür allerdings n Ganzes! Der Kellner bringt Fladenbrot und Dip. Das Brot ist mal wieder so geil, daß ich mir (aber auch die anderen Jungs) innerhalb kürzester Zeit unzählige Schnitten reinhaue und nachdem ich noch die Hühnersuppe vertilgt habe, die mich ursprünglich vorm Verhungern retten sollte, weiß ich echt nicht mehr wie ich noch die Hauptmahlzeit runterkriegen soll. Aber- Überraschung- ich schaff es dann doch.

Der selbe Ablauf wie letztes Jahr. Als Nächstes Weihnachtsmarkt Kölle. Wir sind allerdings spät dran und können froh sein, daß noch ein paar Stände aufhaben. Ich trinke einen Glühwein mit Schuß und muß mal wieder feststellen, daß bei mir die alte Plattenweisheit gilt: Einmal Drogi, nie mehr Alki! Würde ich noch einen Zweiten trinken, könnte ich nach Hause fahren und mich ins Bett legen. Das Gute ist, daß ich nicht mehr hackebreit werden muß, um Spaß zu haben. Die Jungs sind gut drauf und kurz darauf landen wir wie geplant in der Tanzbar, von uns auch gerne TanzbÄr genannt. Hier muß ich allerdings dann doch feststellen, daß mir der Pegel fehlt, um es hier länger auszuhalten. Zu voll, zu warm, zuviel Partymucke…

Gegen 1 Uhr hauen Amar, Mirsad und ich ab. Amar hatte es tatsächlich noch am Freitag geschafft für 42 Schleifen ne Stehplatzkarte in der Kölner Kurve zu ergattern, er hat also einen ähnlichen Marathon hinter sich. Da wir bei Marathon sind- Mirsad’s Handy zeigt an, daß wir heut 11 km gelatscht sind- wenn mich nicht alles täuscht, gab es dafür früher die bronzene Wandernadel…

Der Tag endet so wie er angefangen hat- Mirsad legt noch Ill Niño, 4 Lyn und Der W. auf. Das erinnert mich daran, daß wir im Frühjahr zusammen zu Ill Niño und n Monat später zu In Flames fahren. 30 und 60 Tacken-  nix Braunes, nix Weißes – diesmal zweimal zwei Stunden geile Mucke…img-20161210-wa0012